Am Ende des Tages verhinderte der rechte Pfosten des OHV-Tores nach Phil Kauerts Siebenmeter sieben Sekunden vor dem Abpfiff, dass die Eintracht einen eigentlich hochverdienten Punkt mit an die Volme nahm. “Es liegt ja nicht an diesem Siebenmeter”, ordnete Eintracht-Coach Valentin Schmidt nach dem Abpfiff die finale Szene ein, “Phil macht ein überragendes Spiel, ich traue ihm den letzten Siebenmeter zu - und letztlich gehört auch das zur Entwicklung dazu…”
Wohl wahr: Der U19-Linksaußen lieferte vor knapp 1.500 Zuschauern in der Sparkassen-Arena eine Top-Performance ab, traf neunmal (!) für seine Farben, die immer wieder konsequent und vom OHV bemerkenswert unbehelligt für den Linksaußen abräumte. Dass am Ende ein, zwei Zentimeter den Ausschlag gaben auf der emotionalen Skala zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, das - siehe oben - gehört zum Sport und zur Entwicklung junger Spieler dazu.
Aber der Reihe nach: Die Eintracht zeigte sich von Beginn an hellwach, verteidigte mit viel Herz und erwehrte sich auch einiger äußerer Einflüsse. Die hießen heuer bisweilen auch Janis Brandt und Hendrik Thies. Es blieb das wahrscheinlich größte Mysterium an diesem Abend, was genau die Unparteiischen aus Ostwestfalen mit ihrer - nennen wir es progressive “Linie” - bezweckten. In einer Partie ohne böse Spitzen standen unterm Strich gleich drei Rote Karten (Schneider und Sekowski für die Eintracht/Hübke für den OHV) und jede Menge diskutabler Entscheidungen auf beiden Seiten. Wer dieser Tage die EM in Skandinavien verfolgt und als Blaupause für das Spiel in Aurich benutzte, mag sich gefragt haben, ob man über dieselbe Sportart redet. OHV-Coach Sven Suton war in der anschließenden Pressekonferenz entsprechend alles andere als amused, Valentin Schmidt biss sich auf die Zunge. Hüben wie drüben sah der Eintracht-Coach viele Fragezeichen, “aber wir hatten genügend Chancen, das Spiel für uns zu entscheiden…”
So setzten sich die Gäste direkt nach der Pause auf bis zu fünf Treffer Differenz ab, führten 19:14 und 20:15. Alles gut also im Lager der Eintracht? - Nein. Nach Jan-Niclas Schneiders frühem Rot waren auch Arne Quittmann und Chris Funke alsbald mit jeweils zwei Zeitstrafen vorbelastet, zudem fiel Funke später mit einer Fußverletzung aus.
So hatte der OHV bei Nenad Vunic' Treffer zum 27:27 erstmals seit dem 11:11 wieder ausgeglichen. Die Eintracht konterte in Person von Phil Kauert und Arne Quittmann zum 29:27 (57.), hatte danach sogar die - nicht genutzte - Chance, wieder auf plus drei Treffer zu stellen. Ein von Niklas Pfalzer vergebener Siebenmeter auf der einen Seite sowie zwei Auricher Treffer durch Robin Leunissen und Alon Obermann per Siebenmeter sorgten alsbald für das 30:29 aus Gastgeber-Sicht, das bis zum Ende Bestand hatte, weil der letzte Hagener Siebenmeter seinen Weg nicht ins Ziel fand.
“Um es ganz klar zu sagen: Wir haben ein Super-Spiel gemacht. Die Jungs haben alles, wirklich alles reingeworfen. In den entscheidenden Phasen kommen wir aber wieder auf das Thema aus der Vorschau, da machen wir unter Stress die entscheidenden Fehler. Das tut im Moment weh - aber wir machen weiter und lernen daraus”, fiel die Analyse von Valentin Schmidt trotz allen Frustes differenziert aus.
Auf ein Neues also am kommenden Samstag. Dann gastiert der TSV Anderten in der Sporthalle Mittelstadt in Hagen. Anwurf ist um 19.30 Uhr.
OHV: Jungvogel, Merkovszki - Vunic (7), Vucetic (1), Stricker (2), Wendlandt (2), Ramhed, Kreiselmeier (2), Hübke (4), Braun, Leunissen (2/1), Mihaljevic (1), Obermann (9/7), Janssen
Eintracht: Brockmeyer, Rohmann - Diehl (1), Mielke (1), Czerkawski, Flüs, Kauert (9/2), Ntodonke, Funke (1), Queckenstedt (3), Pfalzer (2/1), Trute (1), Bökenkamp (4), Quittmann (4), Schneider, Sekowski (3)
Schiedsrichter: Janis Brandt/Hendrik Thies (Bad Oeynhausen/Bad Salzuflen)
Zeitstrafen: OHV 4 plus Rote Karte gegen Hübke (60./grobes Foulspiel), Eintracht 5 plus Rote Karte gegen Schneider (19./grobes Foulspiel) plus Rote Karte gegen Sekowski (60./grobes Foulspiel)
Siebenmeter: OHV 8/9 (verworfen: Obermann), Eintracht 3/5 (verworfen: Pfalzer und Kauert)
Zuschauer: 1.473


