Das vielleicht größte Lob des Abends kam nach dem Schlusspfiff aus berufenem Munde. ASV-Trainer Jamal Naji attestierte der Eintracht, dass „wir heute nicht sieben Tore besser waren als Hagen.“ Der bundesligaerfahrene Coach weiter: „Ich finde es schon beeindruckend, dass so eine junge Mannschaft vor fast 2000 Zuschauern bei einem 1:7-Rückstand nicht zerfällt.“
In der Tat: Die ersten zehn Minuten waren dazu angetan, dass der kleinen Eintracht-Kolonie unter den 1713 Zuschauern und den Hagener Fans vor den Bildschirmen bei sporteurope.tv Angst und Bange werden konnte. Der gastgebende Aufstiegskandidat startete enorm dominant, verteidigte alles weg, was an Hagener Angriffsversuchen auf die präsente 6:0-Abwehr prallte, und hatte in Marcos Colodeti den erwartet starken Rückhalt im Tor.
7:1 hieß es so nach etwas mehr als acht Minuten zugunsten des Aufstiegsanwärters. Doch die Eintracht, die angesichts anhaltender Personalnot erneut vier A-Jugendliche und zwei Akteure aus der 3. Mannschaft im Kader hatte, sie biss sich zurück ins Spiel. Unermüdlich suchten die Grün-Gelben das 1-gegen-1, führte Jonas Queckenstedt klug Regie und kam auch die Abwehr besser zurecht gegen den hochkarätig besetzten ASV.
Vor allem die offensive Variante provozierte nun so manchen Fehler im Hammer Angriff. Zudem lief im Tor „Toto“ Schmidt erneut zu starker Form auf. Der Routinier zwischen den Pfosten lieferte sich mit seinem Gegenüber Marcos Colodeti ein Duell auf bemerkenswertem Niveau. Am Ende standen für beide Keeper je 13 Paraden zu Buche. Bestnoten für dieses Duo.
Von Bestnoten waren zwei andere an diesem Abend eher weit entfernt. Die eigentlich erfahrenen Referees Johannes Marchlewitz und Christian Stadtmüller hatten über weite Strecken massive Probleme mit eigentlich elementaren Regelkomponenten. Schrittfehler, progressive Linie, Angreiferfouls – vergeblich fahndete das Gespann nach einer Linie, verteilte seine vielen diskussionswürdigen Entscheidungen aber halbwegs „gerecht“ auf beide Seiten.
Zur Pause hatte sich die Eintracht jedenfalls zurückgemeldet (11:14) und es wurde ergebnistechnisch sogar noch besser. Beim 16:18 (Felix Ntodonke/35.) war die Eintracht dran, hatte sogar Ballbesitz. „Schade, wenn wir da auf einen rankommen, wird's vielleicht noch einmal richtig eng“, haderte Eintracht-Trainer Valentin Schmidt in der Rückschau.
Dazu kam es aber nicht. Ein Hammer 3:0-Lauf (Pawel Krawczyk/2, Fabian Huesmann) stellte rasch wieder auf plus 5 für die Hausherren. Bis zum 21:25 (Chris Funke/50.) blieb die Eintracht dennoch auf Schlagdistanz, musste dann aber final abreißen lassen. Vielleicht fehlten ein Stück weit auch die Körner angesichts der kraftraubenden Spielweise.
Und dennoch: „Die Jungs haben das als Mannschaft wieder sehr gut gemacht, da gibt es keine zwei Meinungen“, lobte Valentin Schmidt, „zur Entwicklung gehört auch dazu, dass ich mir wünsche, dass wir noch mutiger in die offensive Abwehr gehen.“
Weiter geht es für die Eintracht am nächsten Sonntag (17 Uhr, Sporthalle Mittelstadt). Dann kommt es zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen zum Duell mit dem Team Handball Lippe II. Die Lemgoer/Augustdorfer Reserve gewann am Samstag deutlich mit 44:34 gegen den TV Bissendorf-Holte.
ASV: Colodeti, Budalic – Huesmann (6/1), Gabrielsson, Brosch, Böttcher (2), Machner (5/1), Kühn (7), Edwards (1), Gautzsch (3), Bornemann (5), Krawczyk (2), Jacobs, Coßmann (1)
Eintracht: Schmidt, Brockmeyer – Diehl (2), Mielke (5/3), Berghaus, Storch (1), Czerkawski (1), Kauert (3/2), Ntodonke (4), Funke (2), Queckenstedt (5), Pfalzer, Trute, Bökenkamp (1), Schneider, Sekowski (2)
Schiedsrichter: Johannes Marchlewitz/Christian Stadtmüller (Seligenstadt/Dormagen)
Zeitstrafen: ASV 6, Eintracht 5
Siebenmeter: ASV 2/5 (verworfen: Machner, Gautzsch, Huesmann), Eintracht 5/7 (verworfen: Kauert/2)
Zuschauer: 1713


