Weil Niklas Pfalzer für das Zweitliga-Spiel der 1. Mannschaft am Sonntag geschont wurde, rückte mit Fabio Cosentino ein weiterer U19-Akteur in den Kader, der ansonsten in der identischen Besetzung zur Vorwoche in Spenge auflief. Und der Hagener Start gelang wie vor Wochenfrist: Tjorven Knackstedt im Eintracht-Tor war von Minute eins im Match, der Hagener Rückraum agierte mit klugen Tempowechseln und unbändigem 1-gegen-1-Druck auf die Schnittstellen der MTV-Abwehr. Entweder war der Eintracht-Rückraum (egal, in welcher Besetzung) selbst erfolgreich oder zog Siebenmeter um Siebenmeter, die Phil Kauert mit 100-Prozent-Quote verwandelte.
Über 4:2 und 6:3 setzten sich die Gastgeber binnen elf Minuten auf 8:4 (Ben Srugies) ab. So dominant blieb es freilich nicht. Der Aufsteiger sortierte sich, streute – zunächst vornehmlich in der “zweiten Welle” – den siebten Feldspieler ein und profitierte von kleinen Hagener Unaufmerksamkeiten vorne wie hinten. Beim 11:11 (Jakob Nowak/20.) hatte Großenheidorn erstmals ausgeglichen und lag nach zwei weiteren Nowak-Treffern plötzlich sogar mit 14:12 (25.) vorne. Auszeit Hagen.
In der Nachbetrachtung war das, was folgte, die wohl entscheidende Phase der Partie. Denn nun wurde es kontrolliert-wild auf dem Parkett der Sporthalle Mittelstadt. Die Eintracht stellte in Überzahl um auf offene Manndeckung mit einem “Libero” als Absicherung dahinter. Eine taktische Maßnahme von Valentin Schmidt, die passgenauer nicht hätte sein können. Binnen viereinhalb Minuten legte sein Team einen 7:2-Lauf hin, wischte den vermeintlichen Kipppunkt der Partie einfach so beiseite. 19:16 hieß es zum Pausenpfiff.
Kurzes Durchatmen. Aber wirklich nur kurz. Denn in exakt demselben Stil ging es weiter. In den ersten vier Minuten nach Wiederanpfiff stand hüben wie drüben Vollgas-Handball auf der Agenda, kam das Kampfgericht mit der Erfassung der neun (!) Treffer binnen 236 Sekunden kaum nach. Den Hut hatte auch in dieser Phase eindeutig die Eintracht auf, die sich ruckzuck auf 25:19 (Ben Srugies/34.) abgesetzt hatte.
Faktoren auf Seiten der Grün-Gelben gab es viele: Der inzwischen eingewechselte Sven Brockmeyer im Tor war ein ganz wichtiger, der bärenstarke Joris Resthöft in der Rückraummitte und der traumhaft sicher abschließende Phil Kauert weitere. Wobei Namensnennungen in diesem Zusammenhang dem Hagener Spiel nicht vollumfänglich gerecht werden. “Ich möchte niemanden herausheben”, bekannte Valentin Schmidt im Anschluss. Nachvollziehbar. Denn die Eintracht funktionierte im Kollektiv. Egal, wen Schmidt brachte, es gab keinen Qualitätsabfall.
Und so machten die “jungen Wilden” einfach weiter, dachten überhaupt nicht daran, den Fuß vom Gas zu nehmen. Tor Nummer 30 ging auf das Konto von Jorit Reshöft, Phil Kauert war für das Erreichen der 40-Tore-Marke zuständig. Mehrfach traf Hagen nun ins leere MTV-Tor, weil die Niedersachsen es oftmals mit sieben Feldspielern versuchten. Ein 4:0-Lauf der Gastgeber beendete schließlich die längst einseitige Partie – die nur 100 Zuschauer hatten ihre helle Freude.
Und der Coach? – War natürlich stolz auf sein Team, nahm trotz der vielen, vielen positiven Aspekte ("Wir machen nur sieben technische Fehler und haben eine Angriffseffektivität von fast 80 Prozent. Das ist gut!") aber auch Arbeitsaufträge mit in die neue Trainingswoche. Vor allem die Abwehr dürfte dabei im Fokus stehen. Zu viele nicht eingehaltene Absprachen habe es hier gegeben, monierte Schmidt. Die gilt es zu beheben bis zum nächsten Sonntag, wenn gegen den OHV Aurich die nächsten Punkte geholt werden sollen.
Eintracht: Knackstedt, Brockmeyer, Schmidt – Srugies (5), Mielke (4), Reshöft (9), Flüs (1), Kauert (13/7), Trute (4), Bauernfeind (4), Pogorzalski (3), Cosentino, Quittmann (1), Schneider, Sekowski (5)
MTV: Wernlein, Frommeyer – Stöhr (4), L. Ritter (1), Bausch (9), M. Ritter (3), Haase (1), Nickel, Kirchhoff, Bergmann (2), Westerbeck, Marotzke (1), Nowak (7), Müller, Pietsch (5)
Schiedsrichter: Fabian Schwarz/Arthur Krispenz (Dahn/Wiesbaden)
Zeitstrafen: Eintracht 6, MTV 6
Siebenmeter: Eintracht 7/7, MTV 0
Zuschauer: 100
